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	<title>Alltagsreporter.de &#187; Alltagsreporter.de</title>
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		<title>&#8220;Ich wollte eine Maschine sein&#8221; &#8211; Gespräch mit einem ehemaligen Elitesoldaten des KSK</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Dec 2014 15:15:45 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Eliteeinheit „Kommando Spezialkräfte“ (KSK) ist innerhalb der Bundeswehr für die hochbrisanten und gefährlichen Einsätze zuständig. Ob die Befreiung von Geiseln in Kampfgebieten oder Spezialaufträge im Rahmen internationaler Kriegseinsätze – &#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Die Eliteeinheit „Kommando Spezialkräfte“ (KSK) ist innerhalb der Bundeswehr für die hochbrisanten und gefährlichen Einsätze zuständig. Ob die Befreiung von Geiseln in Kampfgebieten oder Spezialaufträge im Rahmen internationaler Kriegseinsätze – die Arbeit der KSK fängt dort an, wo sie für andere Soldaten aufhört. Der Preis für die geheimen und anstrengenden Einsätze ist hoch. Die Öffentlichkeit und das Parlament haben kaum Einblick in die Arbeit der Eliteeinheit und den Soldaten selbst verlangt es oft ihr eigenes Privatleben aufzugeben und bis an die Grenzen der Erschöpfung zu gehen.<br />
Alltagsreporter.de hat einen ehemaligen Soldaten der Bundeswehr getroffen, der die Ausbildung zum KSK-Soldaten über Jahre hinweg absolviert und sogar an Einsätzen teilgenommen hat. Im Interview mit ihm bekommen wir einen Blick in die Eliteeinheit, der oft sogar den Mitgliedern des Verteidigungsausschusses des Bundestages verwehrt bleibt, wie ein Interview mit dem Oppositionspolitiker Alexander Neu zeigt.</strong></p>
<div id="attachment_864" style="width: 610px" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2014/12/mini-IMG_3881-Kopie-2.jpg"><img class="size-full wp-image-864" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2014/12/mini-IMG_3881-Kopie-2.jpg" alt="&quot;Beim KSK schaffst du es höchstens vier Jahre&quot; - Mark Erdmann vor dem Verteidigungsministerium" width="600" height="396" /></a><p class="wp-caption-text">&#8220;Beim KSK schaffst du es höchstens vier Jahre&#8221; &#8211; Mark Erdmann vor dem Verteidigungsministerium</p></div>
<p style="text-align: justify;">Wir treffen Mark Erdmann*, Mitte zwanzig, vor der Kulisse des Verteidigungsministeriums in Berlin, seinem früheren Arbeitgeber. Er trägt einen schwarzem Windbreaker und Sportschuhe, ganz im typischen Stil der autonomen Szene. Über vier Jahre war er Soldat der Bundeswehr, absolvierte den Grundwehrdienst und schlug eine Laufbahn als Mitglied der Eliteeinheit „Kommando Spezialkräfte“ ein.<br />
Als in ihm Zweifel wuchsen, entschied er sich die Armee zu verlassen und engagiert sich seither in autonomen Gruppen, besucht Demonstrationen gegen Nazis oder die Militarisierung der Gesellschaft. Das Bild von der Bundeswehr und der KSK hat sich während seiner Zeit in der Armee von Grundauf gewandelt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Einstieg in eine Spezialeinheit</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Mark hatte sich bereits kurz nach seiner Ausbildung gegen die Skepsis seiner Eltern und seiner damaligen Freundin bei der Bundeswehr eingeschrieben. Ihn reizte das Gefühl gebraucht zu werden und der Gesellschaft etwas zurückgeben zu können. Er wollte aber auch explizit zum Kämpfen ausgebildet werden und lernen &#8220;zuverlässig zu funktionieren&#8221;, wie er sagt. Grundwehrdienst und der normale Job als Soldat langweilten ihn allerdings, deshalb bewarb er sich für die Spezialeinheit KSK. Er spricht mit fester Stimme, wenn er sagt „ich wollte lernen so richtig zu kämpfen, ich wollte eine Maschine sein“. Die Mitgliedschaft bei den Kommando Spezialkräften verprach Anerkennung und Ruhm, die Realität aber sah anders aus.</p>
<p style="text-align: justify;">„Wenn du bei der KSK bist, darfst du mit niemandem über das, was du tust, sprechen.&#8221;, berichtet Mark. &#8220;Wenn du einen besonders gefährlichen Einsatz hinter dir hast, bekommst du vielleicht einen Orden. Aber niemand gratuliert dir öffentlich und niemand wird irgendwann davon erfahren. Nicht einmal deine engsten Freunde und Verwandten“</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Ernüchternder Alltag</strong></p>
<div style="width: 379px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.flickr.com/photos/69342560@N02/14704652153"><img class="" src="https://farm4.staticflickr.com/3908/14704652153_be1e7f2573_b.jpg" alt="" width="369" height="246" /></a><p class="wp-caption-text">KSK-Soldaten beim Training: &#8220;Frühs um vier zum Sport geweckt&#8221;. Foto: CC-BY-ND Helwin Scharn</p></div>
<p style="text-align: justify;">Mark denkt, dass die Mitglieder des KSK vom Nachrichtendienst der Bundeswehr, dem militärischen Abschirmdienst (MAD), überwacht und kontrolliert werden. Der psychische Druck sei enorm, offene Meinungsäußerung nicht gestattet und das komplette Leben auf den Dienst ausgerichtet. „Wenn du einen Einsatz machst, kommst du mit Menschen zusammen, die keinen Namen, keine Identität haben. Du weisst absolut gar nichts über sie.“ Auf diese Weise sollen persönliche Beziehungen ausgeschlossen werden und damit Neutralität im Einsatz gewahrt bleiben. Ein Privatleben hat es nicht gegeben, meint Mark. An den Wochenenden hätten zwar alle nach Hause fahren können, aber für langfristige Beziehungen sei dies ein schwerer Umstand und speziell für ihn hätte sich der zeitliche Aufwand für An- und Abreise kaum gelohnt.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Ausbildungstage waren einem strengen Rhytmus unterworfen. &#8220;Frühs um vier wurden wir zum Sport geweckt.&#8221;, erzählt Mark. „Wenn der vorherige Tag besonders lang war, hast du manchmal gar nicht geschlafen. Beim KSK ziehst dir die ganze Zeit Unmengen an Energy Drinks und Cola rein, nur um wachzubleiben.“ Er selbst hätte zwar keine Drogen genommen, muss aber bei der Frage schmunzeln, ob die anderen KSK-Soldaten ebenfalls so streng mit sich sind.<br />
Neben den ständigen körperlichen Trainingseinheiten stünden vorallendingen politische Bildung und der Umgang mit Waffen auf der Tagesordnung. Aber auch Aufstandsbekämpfung wurde gelehrt und in besonderen &#8220;Biwak-Camps&#8221; waren die Rekruten wochenlang  besonderen Überlebenssituationen ausgesetzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Anders als bei der Bundeswehr werden die Vorgesetzten in der Spezialtruppe durchgängig gesiezt und mit dem vollen Dienstrang angesprochen. Mark war nicht bei der eigentlichen Anti-Terroreinheit der Kommando Spezialkräfte, sondern einer Stufe davor, wie er selbst sagt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Geheimorganisation KSK</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Kommando Spezialkräfte wurden als Teil der Bundeswehr 1996 gegründet, um besonders anspruchsvolle Kampf- und Anti-Terroreinsätze durchzuführen. Sie untersteht als regulärer Teil der Heeresstreitkräfte offiziell dem Verteidigungsministerium, aber Mark meint, dass gerade die höchsten Stellen erst im Nachhinein von den Spezialeinsätzen erfahren. „Die Bundeswehr arbeitet heute generell im Auftrag von anderen Staaten und relativ autonom.“, sagt er. „Bei den Missionen kommen dann so viele Einflüsse von so vielen Stellen zusammen, das kann dann maximal noch von der Bundesregierung abgesegnet werden. Das Verteidigungsministerium bekommt meist erst während der Einsatz läuft überhaupt etwas davon mit.“</p>
<p style="text-align: justify;">Die Öffentlichkeit erfährt fast nie von den Einsätzen des KSK und selbst die Mitglieder des Verteidigungsausschusses des Bundestages werden weder davor, noch danach in Kenntnis gesetzt. Dieser Umstand fällt auch Alexander Neu, Oppositionspolitiker der Linken im Bundestag und Mitglied des Verteidigungsausschusses, negativ auf. Er sieht bei den Kommando Spezialkräften, als auch bei der Bundeswehr im Allgemeinen eine gefährliche Entwicklung im Umgang mit Informationen.</p>
<div style="width: 208px" class="wp-caption alignright"><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/3b/Neu%2C_Alexander-1230.jpg/640px-Neu%2C_Alexander-1230.jpg"><img class="" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/3b/Neu%2C_Alexander-1230.jpg/640px-Neu%2C_Alexander-1230.jpg" alt="" width="198" height="298" /></a><p class="wp-caption-text">Alexander Neu, MdB (Die Linke): &#8220;Seit einem Jahr nicht mehr über das KSK informiert.&#8221;</p></div>
<p style="text-align: justify;">„Wir als Parlamentarier werden praktisch seit einem Jahr überhaupt nicht mehr über die Aktivitäten des KSK informiert.“, sagt er im Interview mit Alltagsreporter. Bereits vorher seien nie Details über die Einsätze im Ausschuss diskutiert worden, aber seit einiger Zeit beobachtet er eine größer werdende Intransparenz. „Dank eines besonderen Unterrichtungsverfahrens im Bundestag wissen im Prinzip nur knapp zwei Dutzend Abgeordnete überhaupt etwas von den Einsätzen der Eliteeinheit. Es herrscht ein extrem restriktiver Umgang mit Informationen in Bezug auf die Kommando Spezialkräfte.“, meint Alexander Neu. Die Abgeordneten wären immer mehr auf Informationen abhängig, die sie von Medien bekommen. Journalisten seien oft besser über das KSK informiert, als die Mitglieder des Bundestages. „Es kann nicht sein, wenn es um Leben und Tod geht, dass die Bevölkerung darüber nicht Bescheid weiß.“, sagt er. Weder die Unionsparteien der Regierungsfraktionen im Bundestag, noch die SPD wollten sich zu dem KSK für Alltagsreporter äußern.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Gewissensbisse und Ausstieg aus der Bundeswehr</strong></p>
<p style="text-align: justify;">„Du darfst kein schlechtes Gewissen haben, wenn du jemanden umbringen sollst.“, sagt Mark Erdmann. Er sagt, dass er einmal vor der Situation gestanden habe, einen Menschen umzubringen. Am Ende war er froh, dass es nicht soweit kommen musste. „Das hätte mich mein Leben lang verfolgt.“ Die meisten KSK-Soldaten, erzählt Mark, würden nach der Erfahrung zu töten ein halbes Jahr später die Eliteeinheit verlassen, weil sie „einfach kaputt“ seien.</p>
<div id="attachment_886" style="width: 395px" class="wp-caption alignright"><img class=" wp-image-886" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2014/12/IMG_3860-2.jpg" alt="Werbung für die Bundeswehr. &quot;Irgendwann bist du kein Mensch mehr.&quot;" width="385" height="252" /><p class="wp-caption-text">Werbung für die Bundeswehr. &#8220;Irgendwann bist du kein Mensch mehr.&#8221;</p></div>
<p style="text-align: justify;">Mit der Zeit quälten ihn Zweifel wegen seiner Mitgliedschaft in der Bundeswehr. Er war mit vielem unzufrieden, besonders mit den nicht-öffentlichen Einsätzen und der generellen Ausrichtung der Armee. &#8220;Wenn du die Bundeswehr durchziehst, bist du kein Mensch mehr.&#8221;, sagt Mark. &#8220;Du wirst wirklich zur Maschine, zum reinen Staatsdiener.&#8221; Irgendwann habe er für sich festgestellt, dass diese Welt keine Maschinen brauche, sondern Menschen, die etwas im Kopf haben. Seitdem stand für ihn fest, dass er die Armee verlassen wollte. &#8220;Wenn du aus der Bundeswehr raus willst, zählt die Kameradschaft plötzlich nichts mehr. Du wirst eiskalt allein gelassen.&#8221;, sagt er. Mark wehrt sich juristisch gegen die &#8220;unehrenhafte Entlassung&#8221;, mit der er aus der Armee verabschiedet wurde, um bessere Chancen bei zukünftigen Bewerbungen zu bekommen. Im zivilen Leben schlägt er sich bisher mit Nebenjobs durch, bereut seinen Schritt allerdings nicht. &#8220;Ich fühle mich jetzt frei, ohne Autorität und mache das, was ich selber will.&#8221;, sagt er.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Engagement und Idealismus</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Durch Kontakt mit der linken Szene habe sich sein Bild von der Bundeswehr zusätzlich verändert. Zwar hatte Mark immer schon die Grundüberzeugung, dass Menschen selbstorganisiert ohne einen Staat leben sollten, durch die Armee habe er dieses Denken aber unterdrückt. &#8220;Die Bundeswehr bringt die Menschen von dem Ideal einer gleichberechtigten Gesellschaft weg.&#8221; sagt er. Mark kritisiert, dass Deeskalation und Konfliktvermeidung in der Ausbildung keine Rollen spielen, so wie bei der Polizei. Deshalb engagiert er sich für Alternativen und tritt für einen generellen Wandel in der Gesellschaft ein. &#8220;Wir müssen alle friedlicher werden und klar: irgendwann muss es auch eine Welt ohne Grenzen geben.&#8221;, sagt er. Die Bundeswehr jetzt direkt einfach aufzulösen, hält er aber für falsch. Nur wenn alle Staaten dieser Welt mitziehen würden, würde es Sinn machen für Mark. &#8220;Es gibt noch zu viele Gefahren, für die eine Armee gebraucht wird.&#8221;</p>
<p style="text-align: justify;">Am Ende fragen wir ihn, ob er die Bundeswehr vermisse. &#8220;Bis auf das Geld nicht.&#8221;, sagt er und grinst. &#8220;Aber das habe ich für meinen Idealismus aufgegeben.&#8221;</p>
<p style="text-align: justify;">* Name geändert</p>
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		<title>Ex-Bewohner der Cuvrybrache:&#8221;Die Demokratie lässt uns einfach räumen.&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Sep 2014 03:36:46 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Auf der Oberbaumbrücke zwischen Berlin-Kreuzberg und -Friedrichshain steht eine Couch. Darauf sitzen Jugendliche, vor ihnen ein Tisch mit einer schmuddeligen Decke und einem Schild, das vorbeilaufende Passant*innen um Spenden bittet. &#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_809" style="width: 337px" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2014/09/frontbildArtikel3.jpg"><img class=" wp-image-809" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2014/09/frontbildArtikel3-1024x700.jpg" alt="Für einige Menschen der Curvybrache ist die Oberbaumbrücke täglicher Treffpunkt" width="327" height="223" /></a><p class="wp-caption-text">Für einige Menschen der Curvybrache ist die Oberbaumbrücke täglicher Treffpunkt // CC alltagsreporter</p></div>
<p style="text-align: justify;"><strong>Auf der Oberbaumbrücke zwischen Berlin-Kreuzberg und -Friedrichshain steht eine Couch. Darauf sitzen Jugendliche, vor ihnen ein Tisch mit einer schmuddeligen Decke und einem Schild, das vorbeilaufende Passant*innen um Spenden bittet. Es ist bereits dunkel und die kälter werden Temperaturen deuten auf den beginnenden Herbst hin. Die meisten Passant*innen gehen einfach an ihnen vorbei, ein paar wenige werfen ein paar Münzen. Niemand bleibt stehen, erkundigt sich oder kommt ins Gespräch. Dabei ist es erst ein paar Tage her, dass nur einen Steinwurf von der Obaumbrücke entfernt Berlins &#8220;Favela&#8221;, die Cuvrybrache, geräumt wurde und die nunmehr Obdachlosen sich neue Unterkünfte suchen mussten. Wir sprachen eine kurze Zeit mit ihnen und erkundigten uns, wie es ihnen geht.</strong></p>
<div style="width: 349px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.flickr.com/photos/seven_resist/with/7630323284"><img class="" src="https://farm9.staticflickr.com/8019/7630379504_7cc719fa5c_b.jpg" alt="" width="339" height="226" /></a><p class="wp-caption-text">Beginn der Besetzung der Cuvrybrache mit den berühmten Wandbildern. Jahre später war das Gelände dicht mit wilden Hütten bebaut // CC seven resist/flickr.com</p></div>
<p style="text-align: justify;">Fast zwei Jahre lang hatten Menschen auf dem<a href="http://cuvrybrache.blogsport.de/" target="_blank"> besetzten Gelände der Cuvrybrache</a> in Berlin-Kreuzberg in selbst zusammen gezimmerten Häusern gewohnt. Flüchtlinge, Wohnunfgslose, Freiheitssuchende und zugewanderte Sinti und Roma bauten sich aus allem was sie finden konnten Behausungen. Letzten Donnerstag dann die faktische Räumung &#8211; nachdem ein paar Hütten in Brand gesteckt worden waren, mussten alle Bewohner*innen evakuiert werden. Die Polizei ließ sie anschließend nicht mehr auf das Gelände. Gemeinsam mit einem privaten Sicherheitsunternehmen, das von dem Besitzer des Geländes, der Immobilienfirma Süsskind, angeheuert wurde, <a href="http://r.search.yahoo.com/_ylt=A7x9UnH0OiJUGgMAHQmz4IlQ;_ylu=X3oDMTBydDFnbTUyBHNlYwNzcgRwb3MDNARjb2xvA2lyMgR2dGlkAw--/RV=2/RE=1411558260/RO=10/RU=http%3a%2f%2fwww.berliner-zeitung.de%2fpolizei%2fbrandnacht-in-kreuzberg-eigentuemer-riegelt-cuvrybrache-nach-brand-ab%2c10809296%2c28456728.html/RK=0/RS=tklALy5hFPstDuHwBWdgmvQi.H8-" target="_blank">verhinderten sie jeglichen Zutritt</a>.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-806"></span></p>
<p style="text-align: justify;">&#8220;Niemand interessiert sich für uns.&#8221;, sagt Fred*. &#8220;Für die Flüchtlinge in der Gerhart-Hauptmann-Schule haben sich alle interessiert, aber für uns niemand.&#8221; Er sitzt mit zwei anderen, die sich eng aneinandergeschmiegen, auf der Couch, wartet auf Spenden und hört dem Gitarristen zu, der neben ihnen für die Vorbeihuschenden spielt. Fred hat eigentlich eine Wohnung, aber er möchte sich nicht einsperren lassen, im normalen Leben wird ihm langweilig. Er betrachtet sich selbst als eine Art Aussteiger, der dem Leben aus Leistung, Konsum und Konkurrenz abgeschworen hat. Außerdem möchte er auf seine Freund*innen auf der Straße aufpassen können. Die Leute</p>
<div id="attachment_820" style="width: 328px" class="wp-caption alignright"><img class=" wp-image-820" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2014/09/couchundgitarre-1024x736.jpg" alt="Couchgarnitur mit Gitarrenmusik auf der Oberbaumbrücke: merkwürdig gemütlich" width="318" height="229" /><p class="wp-caption-text">Couchgarnitur mit Gitarrenmusik auf der Oberbaumbrücke: merkwürdig gemütlich // CC alltagsreporter</p></div>
<p style="text-align: justify;">Neben ihm sitzen zwei, die sich unter einer Decke gegenseitig warm halten. Mario* hat ab und an seine Augen offen, während sich seine Freundin stumm an seine Seite klammert. &#8220;Die Sinti und Roma von der Cuvrybrache haben alle Unterkünfte bekommen.&#8221;, sagt er. &#8220;Die Deutschen aber alle nicht.&#8221; Allerdings meint Mario, könnten die ja auch alle zum Jobcenter und sich dort eine Wohnung vermitteln lassen. Für ihn selbst komme das selbstverständlich nicht in Frage, denn er möchte sich nicht vom Staat abhängig machen. &#8220;Ich bin frei.&#8221;, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Er erzählt von seiner Zeit auf der Cuvrybrache. &#8220;Ich hab eineinhalb Jahre da gelebt und hatte mir da ein Haus gebaut. Aber dann kam die Polizei und hat alles platt gemacht.&#8221; Mario wird wehmütig, die Trauer steht ihm ins Gesicht geschrieben. Auf dem Gelände hätte er sich zuhause gefühlt und die für ihn wichtigsten Menschen gehabt. &#8220;Das ist meine Familie und die haben einfach alles was da war kaputtgemacht.&#8221;</p>
<p style="text-align: justify;">Fred fängt an von Anarchie zu philosophieren. &#8220;Das was wir hier machen, das ist für mich Anarchie.&#8221;, sagt er. &#8220;Wir tun, was wir wollen, aber friedlich und ohne irgendjemandem etwas zu tun.&#8221; Dagegen sei die Gesellschaft mit Gewalt über sie hereingebrochen und hätte sie aus ihrem Leben gerissen. Diese Mehrheitsgesellschaft hätte irgendwann gesagt, dass sie nicht mehr auf der Cuvrybrache wohnen sollten. &#8220;Wenn wir dann sagen, wir wollen hier bleiben, dann schicken sie ihre behelmten Soldaten. Die Demokratie lässt uns einfach räumen.&#8221;</p>
<div id="attachment_814" style="width: 324px" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2014/09/obrückeDecke.jpg"><img class=" wp-image-814" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2014/09/obrückeDecke-1024x768.jpg" alt="Eingemummelt in der Kälte, das Schile für Spenden aufgestellt" width="314" height="235" /></a><p class="wp-caption-text">Eingemummelt in der Kälte, das Schild zum Spenden sammeln aufgestellt // CC alltagsreporter</p></div>
<p style="text-align: justify;">Politiker*innen hätten sich genauso wenig blicken lassen, wie die Aktivist*innen von der Refugeebewegung. Einzig und allein die Anwohnenden der Cuvrybrache hätten ab und an von ihrem Sperrmüll Matratzen oder Baumaterial vorbeigebracht. Einzeln hätte es auch Essensspenden gegeben, erzählt Fred. Ansonsten hätte Kreuzberg sie ignoriert.</p>
<p style="text-align: justify;">&#8220;Und das hier als Hausbesetzer-Bezirk.&#8221;, schimpft er. &#8220;Das war hier mal so, mitlerweile leben die doch selbst alle in geregelten Mietverhältnissen oder haben gekauft. Die letzte besetzte Fläche in Kreuzberg wurde geräumt und niemand regt sich auf. Jetzt kriegen sie ihre tollen Luxuswohnungen und Einkaufszentren, aber dann gucken sie alle ganz groß, wenn sie sich in fünf Jahren die Mieten auch nicht mehr hier leisten können.&#8221;, sagt er weiter. Auf die Vergangenheit angesprochen von zum Beispiel dem aktuellen Baustadtrat Hans Panhoff, der früher selbst in besetzten Häusern gelebt hat, meint Fred nur, dass er nicht bewerte, was ein Mensch getan hat, sondern nur, was er gerade tue. &#8220;Jeder kann sich mal ändern.&#8221;, sagt er lakonisch.</p>
<div id="attachment_821" style="width: 278px" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2014/09/geldrhytmusgitarre.jpg"><img class=" wp-image-821" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2014/09/geldrhytmusgitarre-656x1024.jpg" alt="Mit den Worten &quot;Ich hol mal ein Bier.&quot;, nahm er sich das Geld aus der Tasche." width="268" height="418" /></a><p class="wp-caption-text">Mit den Worten &#8220;Ich hol mal ein Bier.&#8221;, nimmt er sich ein paar Münzen und geht. // CC alltagsreporter</p></div>
<p style="text-align: justify;">Mario zieht für sich Bilanz. &#8220;Ich bau mir nie wieder ein Haus. Klar besetze ich noch, aber nur in einem Zelt. Das war das dritte Mal dass die ein Haus von mir kaputtgemacht haben, nie wieder.&#8221; Natürlich gab es an der Cuvrybrache auch Streit, meint Fred. Aber im großen und ganzen sei es friedlich gewesen. In jeder WG prügelten sich die Leute wegen schmutziger Kaffeetassen, das sei dort nicht anders gewesen. Notunterkünfte kommen für sie nicht in Frage. Krankheiten und Gewalt würden dort vorherrschen. &#8220;Da schlaf ich lieber bei Kälte auf der Straße.&#8221;, sagt Mario.</p>
<p style="text-align: justify;">Währenddessen hat der Gitarrist Begleitung bekommen. Jemand gesellte sich zu ihm und trommelt nun mit Drumsticks auf alten Plastikeimern den Rhytmus. In der Gitarrentasche vor den beiden haben sich ein paar Euro angesammelt. &#8220;Ich hol mal Bier.&#8221;, sagt Fred, nimmt sich ein paar Münzen aus der Tasche und geht zum nächsten Späti.</p>
<p style="text-align: justify;">*Name geändert</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Update: </strong>Sowohl Berliner Zeitung (&#8220;<span class="ArticleTitle"><a href="http://www.berliner-zeitung.de/berlin/nach-der-raeumung-ehemalige-cuvrybrachen-bewohner-schlafen-jetzt-auf-der-oberbaumbruecke,10809148,28486372.html" target="_blank">Ehemalige Cuvrybrachen-Bewohner schlafen jetzt auf der Oberbaumbrücke</a>&#8220;), als auch die B.Z. (&#8220;</span><a href="http://www.bz-berlin.de/berlin/friedrichshain-kreuzberg/von-der-cuvry-brache-unter-die-oberbaumbruecke" target="_blank">Von der Cuvry-Brache unter die Oberbaumbrücke</a>&#8220;) titelten mit den Menschen von der Oberbaumbrücke. Dabei machten sie sich aber weder die Mühe, die Gedanken der Menschen in ihren kurzen Artikeln abzudrucken, noch die Realtität wiederzugeben. Der Ort an der Cuvrybrache ist nicht die neue Heimstatt, sondern dient als Treffpunkt &#8211; so wie er es übrigens auch schon vor der Räumung für die Menschen gedient hat.</p>
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		<title>Halbe Stunde auf dem Alex : Erlebnis für den ganzen Tag</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Mar 2014 04:04:25 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Eine halbe Stunde Alexanderplatz bedeutet manchmal soviel Abwechslung, wie man in so mancher Kleinstadt in einem ganzen Jahr nicht erlebt. Eine halbe Stunde bin ich vor zwei Wochen über den &#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Eine halbe Stunde Alexanderplatz bedeutet manchmal soviel Abwechslung, wie man in so mancher Kleinstadt in einem ganzen Jahr nicht erlebt. Eine halbe Stunde bin ich vor zwei Wochen über den Alex gelaufen und habe einen Haufen Bands und Musiker, Künstler, interessante und merkwürdige Leute, Religiöse und und politische Menschen getroffen oder besondere Situationen erlebt, die dem Alexanderplatz seinen ganz besonderen und manchmal irritierenden Charme geben. Mit noch mehr Zeit im Gepäck, hätten aus den kurzzeitigen Erlebnissen und Treffen richtige Geschichten werden können. Aber das vielleicht beim nächsten Mal.</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-829"></span></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die Stars von DSDS</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Mitten auf dem dem Alex schob sich ein Schwarm von jungen Mädchen entlang. In ihrer Mitte schien sich etwas zu bewegen und die Richtung der Menge vorzugeben, aber was oder wer kann das sein? Eines der Mädchen erzählte mir ganz aufgeregt, dass zwei Stars von DSDS (Deutschland sucht den Superstar) die unidentifizierbaren Subjekte in der Mitte der Mädchenhaufen gewesen sein sollen. Beim Anblick der zwei Jungs zwischen den vielen aufgeregten Mädels, bekam ich ein wenig Mitleid mit den beiden.<br />
Nachdem sich einer der Stars in die Toilettenräume auf dem Alex flüchten konnte und der andere die beinah eskalierenden Zuneigungsattacken der jungen Fans überlebt hatte, organisierten sich die Mädels in einer Reihe, um sich nacheinander Fotos und Autogramme von dem verbliebenen Star zu sichern. Die umstehenden Passanten reagierten durchweg mit Grinsen oder Kopfschütteln. Einen Eindruck dieses sonderlich wirkenden Geschehens bekommt ihr in dem Video.</p>
<p style="text-align: justify;"><iframe src="//player.vimeo.com/video/89399186" width="500" height="281" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Der merkwürdige Beobachter</strong></p>
<div id="attachment_876" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><img class="size-medium wp-image-876" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter/files/2014/03/mini-strangeman-300x225.jpg" alt="Merkwürdige Szenerie mit sehr merkwürdigem Beobachter" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Merkwürdige Szenerie mit sehr merkwürdigem Beobachter</p></div>
<p style="text-align: justify;">Als ich mich von dieser Szenerie entfernte, sprach mich ein etwas älterer Mann an, was denn der Grund für diesen Auflauf sei. &#8220;Zwei jugendliche Stars von einer Castingshow&#8221;, gab ich ihm zurück. Er reagierte mit einem Nicken und seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Er meinte, dass er diesen Auflauf ganz amüsant fände, aber eigentlich nichts weiter damit anfangen könne, da er ja auch gar nicht verstünde, warum die beiden Stars eigentlich solche Stars wären. Und dann sagte er etwas sehr verstörendes. Aus diesem Grund würde er hier so abseits stehen und die &#8220;Popös der jungen Mädels&#8221; bestaunen. Als ich noch einmal nachfragte, ob er tatsächlich das meinte, was ich verstanden hatte, versuchte er sich zu rechtfertigen, dass er ja gar nichts anderes in dieser Situation machen könnte, als sich &#8220;die Popös und die Körper der Mädchen anzugucken&#8221;. Ich entfernte mich schnell, behielt den Mann aber im Auge.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Das Kamerateam und freizügige Menschen<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Unweit dieses Geschehens, aber völlig unabhägig davon, versuchte ein Kamerateam Interviews mit vorbeilaufenden Passanten für ihre abendliche Nachrichtenausgabe einzufangen.<br />
Als sie merkten, dass ich ebenfalls sehr neugierig auf dem Alex rumspazierte, wollten sie mich plötzlich nicht mehr fragen, was ich vom Wetter oder von ähnlich belanglosen Geschichten hielt und ob ich etwas zu dieser oder jenen Langweiligkeit in ihre Kamera sprechen wollte. Tatsächlich fand ich den Typen, der völlig ungeniert mitten auf einem der meist frequentiertesten Plätze Europas seinen Penis rausholte, um sich an einem Baum zu erleichtern, fast noch interessanter, als die Recherchearbeit der RTL-Abendnachrichten.</p>
<div id="attachment_879" style="width: 198px" class="wp-caption alignright"><img class=" wp-image-879 " src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter/files/2014/03/baumpinkler-235x300.jpg" alt="Berlins belebtester Platz als Toilette" width="188" height="240" /><p class="wp-caption-text">Berlins belebtester Platz als &#8220;stilles&#8221; Örtchen</p></div>
<div id="attachment_878" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><img class="size-medium wp-image-878" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter/files/2014/03/mini-rtlkamera-300x225.jpg" alt="Kamerateam auf Interviewjagd" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Kamerateam auf Interviewjagd</p></div>
<p style="text-align: justify;"><strong>StreetArt und StreetFight</strong></p>
<div id="attachment_869" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><img class="size-medium wp-image-869" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter/files/2014/03/graf1-300x238.png" alt="StreetArt auf dem Alex mit Kreide und Holzkohle" width="300" height="238" /><p class="wp-caption-text">StreetArt auf dem Alex mit Kreide und Holzkohle</p></div>
<p style="text-align: justify;">Den optisch schönsten Eindruck machte ein junger Künstler mit seinem Straßengemälde auf dem Alex. Mit Kreide und Holkohle schuf er ein 4&#215;3 Meter &#8211; Bild, das viele Menschen anzog. Leider war er für ein Gespräch nicht mehr zu haben, nachdem er sich einer handfesten Konfrontation mit einem Standbesitzer auf dem Platz hingeben musste. Dieser regte sich darüber auf, dass der Künstler keine Genehmigung für seine StreetArt hätte und sich zu nah an seinen Stand positioniert hätte.<br />
Die bürokratische Gründlichkeit macht auch vor den &#8220;fliegenden Händlern&#8221; und Straßenkünstlern nicht Halt. Das Argument, es sei genügend Platz für sie beide auf dem Alex, zählte für den Händler leider nicht.</p>
<div id="attachment_897" style="width: 810px" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter/files/2014/03/mini-graf2.jpg"><img class="size-full wp-image-897" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter/files/2014/03/mini-graf2.jpg" alt="Typisch deutsch: Stress wegen fehlender Dokumente" width="800" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Typisch deutsch: Stress wegen fehlender Dokumente</p></div>
<p style="text-align: justify;"><strong>Buddha und der Kommunismus</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Querdenker sind ebenfalls regelmäßig auf dem Alexanderplatz anzutreffen. In diesem Fall ein selbst ernannter Buddhist, der offenbar gleichzeitig als Kommunist tätig ist und mich direkt neben dem Straßengemälde erwartete. Er erzählte mir, wie er in seinen vorigen Leben verwirrt über die Erde wandelte, bevor er in seinem jetzigen mit einem Mix aus Spiritualität und Kommunismus zu sich selbst finden konnte. Wesentlicher Bestandteil seiner metasphärischen Erfahrung scheint seine Literatur zu sein, die er mir für spirituelle 13Euro pro Buch verkaufen wollte. Er verabschiedete sich von mir mit einer leichten Abfälligkeit über mein eigenes weniger spirituell erfülltes Leben, wofür er sich sofort versuchte zu entschuldigen. Ich entfernte mich mit einem mega philosophischen &#8220;schon gut&#8221;.</p>
<div id="attachment_908" style="width: 650px" class="wp-caption aligncenter"><img class="size-large wp-image-908" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter/files/2014/03/mini-jörgphilosophie21-1024x455.jpg" alt="Versucht seine Lehren zu verbreiten: Buddhistischer Kommunist" width="640" height="284" /><p class="wp-caption-text">Versucht seine Lehren zu verbreiten: Buddhistischer Kommunist</p></div>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die Rapgruppe Qult und ihr Kampf für Demokratie</strong></p>
<div id="attachment_913" style="width: 394px" class="wp-caption alignright"><img class=" wp-image-913  " src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter/files/2014/03/mini-qult.jpg" alt="mini-qult" width="384" height="288" /><p class="wp-caption-text">Qult auf dem Alex &#8211; Rap für mehr Gerechtigkeit</p></div>
<p style="text-align: justify;">Am nordöstlichen Rand vom Alex hatten sich zwei Rapper von der Gruppe Qult mit Anlage und Mikrofon positioniert. Der eine rappte, während der andere Flyer verteilte und versuchte, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Die Rapper von Qult hatten wir im letzten Jahr intensiv interviewt und ein Konzert von den Jungs besucht (siehe <a href="alltagsreporter.de/2013/03/21/601" target="_blank">hier</a>) und nun zufällig auf dem Alexanderplatz wiedergetroffen.<br />
Mitlerweile touren die drei mit eigenen Projekten solo durchs Land. Sie sind aber immer noch freundschaftlich verbunden und arbeiten teilweise für einzelne Projekte oder Songs zusammen. Oder bei öffentlichen Auftritten, um die Menschen zu bewegen, kritischer über den Staat, das Geld und die Gesellschaft zu denken und sich zu engagieren.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Noch mehr Musik&#8230;.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Unter der Bahnbrücke am Alex hatte sich ein doch recht begnadeter Musiker postiert. Das besondere an seiner Performance war, dass er die umstehenden Passanten aufforderte, mit ihm zusammen am Mikrofon zu singen. Ein echter Hingucker und vorallendingen Hinhörer.<br />
Dann hatten sich noch zwei Menschen bereitgestellt, die südamerikanische Folklore-Musik präsentiert und eine Person, die zwar mit Trompete ausgestattet war, diese aber nicht benutzte. Vielleicht hatte es auch etwas mit dem Polizeieinsatz zu tun, der kurz vor meiner Ankunft dort noch abgelaufen war, zu dem ich aber auch keine weiteren Infos bekam. Besonders Mühe hatte sich nur unweit davon entfernt ein Herr mit seinem Dudelsack gegeben. Damit aber nicht genug, denn außerdem hatten sich noch zwei Menschen auf dem Alex eingefunden, die mit ihrer Jazzmusik ebenfalls auf dem Platz glänzen wollten. Erheiternd, aber zu leise, ging ihre Musik unter den vielen anderen Geräuschen leider ziemlich unter.</p>
<p style="text-align: justify;">[thethe-image-slider name=&#8221;nochmehrmusikalex&#8221;]</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>&#8230;.und Religion</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Neben dem buddhistischen Kommunisten hatte sich eine Frau eingefunden, die von ihrem christlichen Erweckungserlebnis vor laufender Kamera sprach. Sie störte es gar nicht, dass ich versuchte, ihre Missionierungsarbeit auf Video festzuhalten. Im Gegenteil &#8211; meine Kamera entfachte bei ihr offensichtlich noch mehr Leidenschaft beim Erzählen. Leider war sie ebenfalls viel zu leise, als dass sie jemand wirklich hätte verstehen können.<br />
Dafür hatten sich aber noch direkt vor dem Bahnhof drei Menschen von den Zeugen Jehovas positioniert. Bei denen erzeugte meine Kamera allerdings leider kein Anwachsen von Leidenschaft, höchstens Irritation.</p>
<p style="text-align: justify;">[thethe-image-slider name=&#8221;mehrreligion&#8221;]</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Zum Schluß&#8230;.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Was auf dem Alex auch niemals fehlt, sind die jungen Menschen, die fleißig und sehr eigennützig für gemeinnützige Organisationen auf Spendenjagd gehen. An diesem Freitag waren das Menschen vom Arbeiter-/Samariterbund, von Aktion Tier und dem WWF.<br />
Und um dann das Bild vom völlig überfüllten Alexanderplatz noch zu komplettieren, hatten sich natürlich noch die ebenfalls niemals fehlenden Würstchenverkäufer und ein Blutspendemobil vom Deutschen Roten Kreuz eingefunden und außerdem noch ein weiterer Straßenkünstler. Ein etwas trauriger aber umso wichtiger Hinweis ließ sich dann an einer Laterne finden. Die Initative &#8220;I am Jonny&#8221; rief mit einem Sticker für ein friedlicheres Miteinander auf und erinnerte an den im letzten Jahr am Alexanderplatz getöteten Jonny K. (Infos und Unterstützung unter www.iamjonny.de).<br />
Einen wunderbaren Abschluss fand das halbstündige Schlendern über den Alex mit einem Besuch in dem wohl einzigen Bioladen Berlins, der täglich geöffnet hat.</p>
<p style="text-align: justify;">[thethe-image-slider name=&#8221;zumschlussalex&#8221;]</p>
<p style="text-align: justify;">[contact-form-7]</p>
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		<title>Mit Spachtel und Nagellackentferner gegen den Hass</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Mar 2013 21:55:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[alltagsreporter]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit 27 Jahren kämpft Irmela Mensah-Schramm gegen den Hass. Mit Spachtel und Nagellackentferner entfernt sie auf den Straßen der Republik Aufkleber und Schmierereien von Neonazis. Dabei stößt sie oft auf &#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Seit 27 Jahren kämpft Irmela Mensah-Schramm gegen den Hass. Mit Spachtel und Nagellackentferner entfernt sie auf den Straßen der Republik Aufkleber und Schmierereien von Neonazis. Dabei stößt sie oft auf Ablehnung, Unverständnis und offene Anfeindungen. Die Geschichte einer couragierten Frau.</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/schramm1.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-762" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/schramm1-234x300.jpg" alt="schramm1" width="234" height="300" /></a>Irmela Mensah-Schramm ist eine gestandene Frau, die in einem schmucken Haus bei Berlin wohnt. Von hier aus führt sie ein Projekt durch, das ihr seit mehr als zwanzig Jahren eine Lebensaufgabe geworden ist. &#8220;Hass vernichtet&#8221; hat sie es genannt und bedarf keines großen Konzeptes, einer ausgefeilten Werbekampagne oder besonderer Planung. Irmela Mensah-Schramm geht auf die Straße und entfernt Aufkleber und Schmierereien von Neonazis. Die Aussagen auf diesen reichen von &#8220;Deutscher, sei stolz auf deine Rasse&#8221; über &#8220;Bomben-Holocaust&#8221; bis hin zu scheinbar unverfänglichen &#8220;Mehr Schutz für unsere Kinder&#8221;.<br />
Den Alltagsreportern erzählt sie, wie es dazu gekommen ist, was sie in den 27 Jahren erlebt hat und warum sie weitermacht, obwohl ihr nicht nur Unterstützung für ihre Arbeit entgegengebracht wird.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-715"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Es war 1986, als Irmeela Mensah-Schramm ein Aufkleber an einer Bushaltestelle auffiel. Der Aufkleber erinnerte an Rudolf Hess, eine Persönlichkeit des Dritten Reiches.  Da sie nicht die Zeit hatte, ihn zu entfernen, musste sie ihn dort hängen lassen. Als sie nach ein paar Stunden erneut an die Bushaltestelle kam, hing der Aufkleber immer noch dort. &#8220;Ich kannte solche Aufkleber ja gar nicht.&#8221;, sagt sie. &#8220;Wo ich vorher gewohnt hatte, gab es so etwas ja gar nicht.&#8221; Sie wollte ein Signal setzen an die Urheber, die Gleichgültigen und für die Opfer der NS-Herrschaft, also machte sie den Aufkleber ab.</p>
<div style="width: 266px" class="wp-caption alignright"><a href="http://ww.hassvernichtet.de"><img src="http://www.hassvernichtet.de/galerie/001.jpg" alt="" width="256" height="384" /></a><p class="wp-caption-text">Cover der Ausstellung &#8220;Hass vernichtet&#8221;, die aus der Arbeit von Irmela Mensah-Schramm hervorging</p></div>
<p style="text-align: justify;">Aus dieser ersten Aktion entstanden erste Streifzüge durch ihren Wohngegend. &#8220;Je mehr ich beseitigte, desto eher erkannte ich die Aufkleber und irgendwann wurden aus diesen sporadischen Säuberungen regelmäßige Aktionen.&#8221; Mensah-Schramm arbeitete zu dieser Zeit noch als Erzieherin. Neben ihrem Job zog sie es auf die Straßen, um die Schmierereien zu entfernen. An den Wochenenden führte sie längere Touren durch. &#8220;In den Ferien ging es dann richtig los.&#8221;, sagt sie und erinnert sich zurück. &#8220;Mit dem ersten Bus in der Frühe bin ich losgefahren und lange nach Mitternacht kam ich erst wieder zurück. Und dann am nächsten Morgen gleich wieder los. An manchem Wochenende habe ich bis zu 35 Stunden investiert.&#8221;</p>
<p style="text-align: justify;">Mensah-Schramm war in der der Öko- und Friedensbewegung aktiv. Für eine gerechtere Welt gestritten hat sie schon immer. Die Friedensbewegung sei aber sehr viel größer, als die Antirechtsbewegung und deshalb möchte sie ihre Kraft lieber dort einsetzen, wo weniger Menschen aktiv sind.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Dokumentation, Menschenrechte und zwei Hakenkreuze&#8230;<a href="http://alltagsreporter.de/2013/03/29/mit-spachtel-und-nagellack-gegen-den-hass/2/"><em>Seite 2</em></a></strong></p>
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		<title>Blut ist sein Geschäft &#8211; Der Tatortreiniger</title>
		<link>http://www.alltagsreporter.de/?p=696</link>
		<comments>http://www.alltagsreporter.de/?p=696#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 26 Mar 2013 15:14:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Alltagsreporterin Theresa]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer putzt eigentlich dem Tod hinterher? Christian Heistermann ist Tatortreiniger. Ein Beruf mit hoher Ekelgrenze Von Theresa Müller Heute auf dem Plan: Tatortreinigung. In einem Seminarraum in Berlin Mahlsdorf sitzen &#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: large;"><b><img class="alignright size-medium wp-image-685" alt="tatortfront" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/tatortfront-260x300.jpg" width="260" height="300" /></b></span><span style="font-size: medium;"><b>Wer putzt eigentlich dem Tod hinterher?<br />
Christian Heistermann ist Tatortreiniger. Ein Beruf mit hoher Ekelgrenze</b></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: medium;"><i><b>Von Theresa Müller</b></i></span></p>
<p align="JUSTIFY">Heute auf dem Plan: Tatortreinigung.</p>
<p align="JUSTIFY">In einem Seminarraum in Berlin Mahlsdorf sitzen sechs Jugendliche. Auf ihren T-Shirts wird der Aufdruck Gebäudeservice Heistermann deutlich. Ein Mann betritt den Raum – ihr Ausbilder Christian Heistermann. Nach einem kurzen Hallo startet er eine Präsentation. Blutüberströmte Badewannen, verwahrloste Zimmer mit Müllbergen bis unter die Decke, Maden, die an der Stelle einer abgeklebten Silhouette leben, Weinflaschen, Bierflaschen, Alkohol jeder Art. Es sind Bilder vom Alltag. Bilder, die sich einbrennen. „Die meisten haben sich entweder totgesoffen oder Suizid begangen“, sagt der Lehrer Christian Heistermann.</p>
<p align="JUSTIFY"><span id="more-696"></span></p>
<div id="attachment_688" style="width: 234px" class="wp-caption alignright"><img class="size-medium wp-image-688" alt="Christian Heistermann ist Tatortreiniger" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/mini-christian-heistermann-224x300.jpg" width="224" height="300" /><p class="wp-caption-text">Christian Heistermann ist Tatortreiniger</p></div>
<p align="JUSTIFY">Er ist ein stattlicher Mann Mitte vierzig, zieht entspannt an seiner Zigarette, nimmt einen Schluck Kaffee und streift sich durch die Haare. Christian ist nachdenklich, wirkt angespannt und irgendwie gebrochen. „Mit Scheiße wegmachen hat&#8217;s angefangen. Scheiße in der Forsterstraße 8, das weiß ich noch ganz genau.“ Orte, die Kulisse für jeden Horrorfilm sein könnten und die Meisten in Angst und Schrecken versetzen, sind seine Arbeitsstätten.</p>
<p align="JUSTIFY">2007 begann Heistermann die Sonderleistung Tatortreinigung anzubieten. „Wir haben einen Anruf bekommen, dass jemand verstorben wäre und sich keiner in die Wohnung traut. Es riecht.“ Gesagt getan. Der erste Einsatz und Christian Heistermann wurde „der Tatortreiniger“. Es folgte ein wahrer Medienrummel. RTL, Gallieo, Ein Job, deine Chance. Der Tatortreiniger wurde interessant. Eine Medienpräsenz, die dem Beruf zwar Aufmerksamkeit verschaffte, aber nicht den nötigen Respekt. „Als Gebäudereiniger wirst du behandelt wie Abfall. Sobald ich mich mit Leuten unterhalte und meinen Beruf sage, hat jeder auf einmal keine Zeit mehr oder einen wichtigen Termin. Ist mein Beruf denn eine Krankheit?“</p>
<p align="JUSTIFY">Nur widerwillig wurde Heistermann zum Putzmann „Ich wollte eigentlich immer Mode und Design studieren, aber das ging nicht. Ich hatte ja nur einen Realschulabschluss“, sagt er und streift sich Gummihandschuhe über, setzt die Atemmaske auf und zieht den Reisverschluss seines Schutzanzuges hoch. So landete Christian schließlich in der Firma seines Vaters und bildet heute neue Generationen aus.</p>
<div id="attachment_691" style="width: 219px" class="wp-caption alignright"><img class="size-medium wp-image-691" alt="48-Leute-Tatort-2-305x436" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/48-Leute-Tatort-2-305x436-209x300.jpg" width="209" height="300" /><p class="wp-caption-text">Der Tatortreiniger in alltäglicher Arbeitskleidung und -umgebung</p></div>
<p align="JUSTIFY">Auch wenn er die nötige Anerkennung nicht von der Gesellschaft bekomme, als Lehrer zeigt sich Christian souverän, gibt Anweisungen und den Ton an. Zwei seiner Azubis führt er in die eigens präparierte Küche. Abgeklebte Umrisse eines Körpers, eine rote Mixtur aus Ketchup, Chillisauce und Rotwein über dem ganzen Boden verschmiert. Der Anblick ist ekelhaft, der Geruch unangenehm.<br />
„Kein Vergleich zum Ernstfall“, meint der Profi. Mit einem Dampfsauger beseitigen die Azubis zuerst den groben Schmutz. Das blutartige Gemisch verteilt sich bei der Bewegung des Saugers immer weiter auf dem Fußboden, die Farbstoffe haben ihn bereits verfärbt. Nach gut zwanzig Minuten ist nichts mehr zu sehen.</p>
<p align="JUSTIFY">&#8220;Man muss schon ein sehr schräger Vogel sein, um die Tatortreinigung gerne durchzuführen. Ich gehe darin nicht auf!“</p>
<div id="attachment_709" style="width: 235px" class="wp-caption alignright"><img class="size-medium wp-image-709" alt="&quot;Ich gehe darin nicht auf!“ - Bild von einem Tatort" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/mini-DSC01747-225x300.jpg" width="225" height="300" /><p class="wp-caption-text">&#8220;Ich gehe darin nicht auf!“ &#8211; Bild von einem typischen Tatort</p></div>
<p align="JUSTIFY">Die Arbeit habe nichts mit CIA zu tun und ist weder lustig noch aufregend. Heistermann erzählt, dass er sich oft in Gedanken die letzten Stunden der verstorbenen Person ausmalt, deren Fäkalien und getrocknetes Blut er gerade vom Holzboden scheuert. „Man stellt sich dann bei der Reinigung vor, dass er hier gelaufen ist, dort zum letzten Mal aus dem Fenster gesehen hat und im Klo verendet ist.“</p>
<p align="JUSTIFY">Dem Tode auf den Fersen, mit Mopp und Putzeimer. Besonders die Psyche werde von dem Job in Beschlag genommen, worunter Heistermann sehr leidet. „Wenn man an der Tür klingelt, sind da oft Angehörige, die getröstet werden wollen.“ Er werde gezwungenermaßen zum Seelentröster, obwohl er selbst nicht in der Lage ist, die eigenen Geister zu bekämpfen. „Das eigentliche Problem ist; man macht sich zu viele Gedanken, und das kann einen kaputt machen.“</p>
<p>Der Beruf hat Christian Heistermann sehr geprägt und verändert. Er beschäftigt sich mehr mit Religion, Umweltschutz und möchte das Image des Gebäudereinigers verändern. „Ich wünsche mir weniger Aufmerksamkeit der Medien, dafür mehr Respekt der Gesellschaft.“ Gleichzeitig sagt er aber: „Die Tatortreinigung, die hat mich krank gemacht! Es ist ein Beruf, wo der Alkohol selbst nicht weit ist.“ Er sucht Antworten und möchte seinem Leben wieder eine Richtung geben. Er will seinen Azubis eine Perspektive bieten und das Leben wieder unbeschwert genießen, ohne dabei dem Tod ständig in die Augen sehen zu müssen.<br />
[contact-form-7]</p>
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		<title>&#8220;Wir wollen den Menschen ein gutes Gefühl geben&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Mar 2013 23:48:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[alltagsreporter]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[alltag]]></category>
		<category><![CDATA[berlin]]></category>
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		<category><![CDATA[musik]]></category>
		<category><![CDATA[rap]]></category>

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		<description><![CDATA[Alltagsreporter trifft die Rapgruppe Qult Zehn Minuten bis zum Auftritt. Im Backstageraum sitzen ein paar Leute, rauchen und trinken ihr Bier. Darunter die Rapper von Qult, die gleich vor fünfzig &#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Alltagsreporter trifft die Rapgruppe Qult</strong></p>
<div id="attachment_639" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><img class="size-medium wp-image-639" alt="Die Rapgruppe Qult: v.l. Dave, Jens und Ivan" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/qultportrait-300x300.jpg" width="300" height="300" /><p class="wp-caption-text">Die Rapgruppe Qult: v.l. Dave, Jens und Ivan</p></div>
<p>Zehn Minuten bis zum Auftritt. Im Backstageraum sitzen ein paar Leute, rauchen und trinken ihr Bier. Darunter die Rapper von Qult, die gleich vor fünfzig Menschen ihre Songs präsentieren. Von Anspannung keine Spur. Statt Songs durchzugehen oder einzelne Passagen zu proben, reden sie entspannt mit den anderen Bands, machen Witze und freuen sich auf den Auftritt. &#8220;Wir gehen da raus und wollen Spaß haben. Wir wollen den Menschen ein gutes Gefühl geben. Das müssen wir nicht proben, das kommt oder es kommt nicht.&#8221;, sagt einer von ihnen.<br />
Dieses Gefühl versuchen sie auf Bühnen zu bringen, aber auch auf den Straßen oder Demonstrationen mit den Menschen zusammen.<br />
<span id="more-601"></span></p>
<div id="attachment_612" style="width: 320px" class="wp-caption alignright"><img class="wp-image-612  " alt="mini-DSCF9275" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/mini-DSCF9275-300x225.jpg" width="310" height="231" /><p class="wp-caption-text">Qult bei dem Musik-Contest &#8216;ermergenza&#8217;</p></div>
<p>Die Gruppe Qult macht seit 2008 gemeinsam Musik, seitdem sie in der Heimatstadt von Jens, alias Qodex, Freiburg aufeinandergetroffen sind. Ivan, alias FoQus, stammt ursprünglich aus Bosnien und Dave, alias WhizzCo, aus Görlitz. In Berlin wohnen sie seit letztem Jahr in einer WG zusammen. Anfangs waren sie noch ein Rapper mehr, aber der vierte musste aus beruflichen Gründen aus der Band zurücktreten.<br />
&#8220;Wir haben uns über Freunde kennengelernt, eher so aus Zufall.&#8221; meint Dave und Ivan ergänzt: &#8220;Wir haben zu dritt &#8216;ne Gruppe zusammengebracht und wollten nicht wie andere Leute einfach biten <em>(ausg. baiten, Slang für kopieren, nachmachen)</em>, sondern immer unsere eigenen Sachen machen.&#8221;<br />
&#8220;Früher hab ich nur Amirap gehört. Da wusste ich noch gar nicht, dass es deutschen Rap auch gibt.&#8221;, sagt Jens. &#8220;Ich wollte mich irgendwie ausdrücken, war noch so ein kleiner Rebell. Dann bin ich an Hip Hop rangekommen und hab seitdem deutschen Rap gehört. Und dann hab ich so gemerkt, &#8216;ey, du kannst ja auch rappen&#8217;, was mich total überrascht hat, weil vorher hab ich das immer für so eine megkrasse Sache gehalten.&#8221; Ihre Songs handeln von Freundschaften und Gefühlen, davon das Leben zu genießen und füreinander dazu sein, aber auch von den großen Problemen, gesellschaftlichen Missständen, Ungerechtigkeiten und einem &#8216;geldgeilen System&#8217;.</p>
<div style="width: 288px" class="wp-caption alignright"><img alt="" src="https://fbcdn-sphotos-a-a.akamaihd.net/hphotos-ak-ash4/419690_10151351540652779_1085034415_n.jpg" width="278" height="278" /><p class="wp-caption-text">Die Band mit dem Qult &#8211; Tourbus</p></div>
<p>&#8220;Wir sind keine Inforapper, sondern Musiker.&#8221;, sagt Ivan. &#8220;Wir holen uns nicht von überallher Infos, sind voll politisch am Start und sagen auch nicht, wir sind für die Linken, die CDU oder die Grünen. Aber wir stehen für gewisse Ideen und Überzeugungen.&#8221;<br />
Deshalb treten sie zum Beispiel auf den Lärmdemos gegen steigende Mieten oder anderen Demonstrationen auf. Sie wollen die Menschen bewegen. &#8220;Wir sind tolerant und ungezwungen und wollen die Menschen mit guter Laune inspirieren.&#8221;, sagt Ivan weiter. &#8220;Du merkst schon, wie die Umstände die Leute auseinandertreibt.&#8221; Sie wollen mit ihrer Musik die Menschen wieder zusammenbringen und für ein gesellschaftliches Grundvertrauen werben.<br />
Jens meint, wenn sie irgendwas machen könnten, dann wären sie auf jeden Fall für das Bedingungslose Grundeinkommen. &#8220;Dann würden alle mit einem Mal gleichgestellt sein.&#8221;, sagt er. „Vorallendingen wäre das mal eine Aktion gegen das Finanztum und die ganzen Konzerne.&#8221;</p>
<p><strong>Rap auf der Straße und spontane Begegnungen</strong>&#8230;<em><a href="http://alltagsreporter.de/2013/03/21/601/2/">Seite 2</a></em></p>
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		<title>Leben im Camp</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Mar 2013 00:07:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[alltagsreporter]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Besuch im Flüchtlingslager in Berlin Mit freundlicher Übersetzungshilfe von Claire R. Es sind ungefähr null Grad an diesem Tag in Kreuzberg. Im Sonnenschein spielen auf einer vereisten Fläche zwischen &#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Besuch im Flüchtlingslager in Berlin<br />
</strong><strong></strong></p>
<div id="attachment_532" style="width: 259px" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.alltagsreporter.de/files/2013/03/mini-frontbildcamp.jpg"><img class="size-medium wp-image-532" alt="mini-frontbildcamp" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/mini-frontbildcamp-300x192.jpg" width="249" height="159" /></a><p class="wp-caption-text">Seit letztem Herbst campieren Flüchtlinge in Berlin um für bessere Lebensbedingungen zu demonstrieren</p></div>
<p><em>Mit freundlicher Übersetzungshilfe von Claire R.</em><br />
Es sind ungefähr null Grad an diesem Tag in Kreuzberg. Im Sonnenschein spielen auf einer vereisten Fläche zwischen den Zelten ein paar Männer Fußball. PassantInnen laufen über den Platz an der kleinen Zeltstadt mit ihren Transparenten vorrüber. Wir sind im Flüchtlingscamp auf dem Oranienplatz in Berlin, das seit Oktober zum Kiezbild dazugehört, und mit einem der Flüchtlinge verabredet. Er möchte nicht erkannt werden und seinen Namen nicht nennen, denn er ist ein so genannter „Illegaler“. Ohne Ankündigung oder Information könnte er von den Polizeibehörden aus Deutschland abgeschoben werden.<br />
Dennoch trifft er sich mit uns, um von dem Leben im Camp zu erzählen.<span id="more-525"></span></p>
<div id="attachment_556" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/mini-campimpress.jpg"><img class="size-medium wp-image-556" alt="Improvisierte Ofenrohre und gespendete Zelte auf dem Oranienplatz" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/mini-campimpress-300x101.jpg" width="300" height="101" /></a><p class="wp-caption-text">Improvisierte Ofenrohre und gespendete Zelte schützen die Flüchtlinge auf dem Oranienplatz</p></div>
<p>Auf ungefähr 300qm verteilt sich das Lager der Flüchtlinge. Große Zelte, wie sie von Notfalllagern oder anderen Protestcamps gewohnt sind, reihen sich aneinander. Aus einigen schauen Ofenrohre hervor, mit Holzbalken sind Transparente, auf denen Sprüche und Slogans stehen, gut sichtbar für Vorbeikommende aufgespannt.<br />
Circa 100 Menschen, hauptsächlich aus Afrika und dem Nahen Osten, leben in dem Camp. Unser Interviewpartner, wir nennen ihn A., lebt seit acht Jahren in Deutschland und war von Anfang an bei den Flüchtlingsprotesten in Berlin dabei. Im Frühjahr 2012 hatten Flüchtlinge in Würzburg einen „Refugee March“ organisiert. Anlass war unter anderem der Suizid eines iranischen Flüchtlings, der den ständigen Druck und den verheerenden Lebensbedingungen in den staatlichen Flüchtlingslagern nicht mehr gewachsen war.</p>
<div id="attachment_540" style="width: 257px" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.flickr.com/photos/libertinus/"><img class="size-medium wp-image-540 " alt="refugeemarch" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/refuggemarch-300x207.jpg" width="247" height="170" /></a><p class="wp-caption-text">Der Flüchtlingsmarsch erreichte Anfang Oktober 2012 Berlin</p></div>
<p>„Mich hat es sehr beeindruckt, wie 6000 Menschen für die Rechte der Flüchtlinge auf die Straße gegangen sind“, meint A. „Für mich war es ein Zeichen, dass sich etwas ändern kann.“<br />
Seither lebt er in den Camp. Ein paar Monate davor hatte er die Mitteilung der drohenden Abschiebung erhalten und seither untergetaucht. Jeden Tag hätte er abgeschoben werden können.<br />
„Am Anfang war die Motivation im Camp sehr groß und wir hatten alle sehr viel Energie. Von überall her kam Unterstützung und Spenden.“, sagt er.</p>
<p>Angst, seinen Landkreis, in dem er sich hätte aufhalten müssen, zu verlassen, hatte er nicht. &#8220;Den Brief mit der Ankündigung der Abschiebung hatte ich sowieso bereits erhalten. Wir leben fast alle mit ständigem Druck von staatlicher Seite aus.&#8221; Er fühle sich zwar auch im Camp nicht total sicher, aber die Isolation, die sonst in den staatlichen Flüchtlingslagern herrscht, sei endlich durchbrochen. &#8220;Ich kann mich mit anderen Flüchtlingen offen unterhalten, meinen Alltag selbst gestalten und daran mitarbeiten, dass sich die Bedingungen für Flüchtlinge verbessern. In den staatlichen Lagern konnte ich die meiste Zeit des Tages nichts tun.&#8221;</p>
<div id="attachment_553" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/infozeltcamp.jpg"><img class="size-medium wp-image-553" alt="Blick in das Infozelt - erste Anlaufstelle im Camp" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/infozeltcamp-300x225.jpg" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Blick in das Infozelt &#8211; erste Anlaufstelle im Camp</p></div>
<p>Das Camp dient als Vernetzungsstelle und Rückzugsort für Flüchtlinge. Hier können sie einigermaßen sicher leben und für bessere Lebensbedingungen streiten. &#8220;Die Polizei kontrolliert nicht im Camp. Ich denke, es hat etwas damit zu tun, dass der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg unser Camp offiziell duldet.&#8221; Genau wisse er den Grund dafür aber nicht.<br />
Zwar würden im Camp selbst keine Kontrollen stattfinden, dafür aber in dessen Umfeld. &#8220;Auf dem Weg zu den Bahnhofen sind Flüchtlinge kontrolliert worden.&#8221;, meint A. . &#8220;Einmal ist jemand von der Polizei festgenommen worden, weil er keine Papiere besaß. Wir haben dann vor der Polizeistation demonstriert und Geld gesammelt. Wegen unseres Engagements und der Unterstützung von Außen konnte er dann wieder freigelassen werden.&#8221;</p>
<div id="attachment_549" style="width: 230px" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/campessen.png"><img class="size-medium wp-image-549" alt="Gemeinsames Mittagessen im Camp" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/campessen-276x300.png" width="220" height="238" /></a><p class="wp-caption-text">Gemeinsames Mittagessen im Camp</p></div>
<p>Die Menschen im Camp haben sich in verschiedenen Arbeitsgruppen organisiert. Es gibt eine Mediengruppe, eine Kochgruppe, Putzgruppe, usw. &#8220;Jeden Mittag und Abend gibt es gemeinsames Essen, das die Kochgruppe zubereitet. Hier kommen fast alle Menschen aus dem Camp zusammen und ab und an die Unterstützer.&#8221;, sagt A. . Gelegentlich kämen auch Menschen, die gar nichts mit dem Camp zu tun hätten, aber nicht versorgt werden. Jeden Mittwoch und Sonntag kommen die Flüchtlinge zu einem großen Plenum zusammen. Hier werden die Strategien, aktuelle Projekte und die Arbeiten in den Gruppen besprochen.</p>
<div id="attachment_558" style="width: 268px" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/Plenumszeltcamp.jpg"><img class="size-medium wp-image-558" alt="Ein großes Zelt dient den Flüchtlingen als Plenumsort" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/Plenumszeltcamp-300x225.jpg" width="258" height="193" /></a><p class="wp-caption-text">Ein großes Zelt dient den Flüchtlingen als Plenumsort</p></div>
<p>Auf das Verhältnis mit den NachbarInnen angesprochen sagt A.: &#8220;Es gibt ab und an Ärger. Einzelne Menschen rufen regelmäßig die Polizei wegen Ruhestörung. Ein Flüchtling, der selbst eine Aufenthaltsgenehmigung besitzt, kommt ab und an her, fängt einen Streit an und ruft dann selbst die Polizei.&#8221; Bei all der gemeinsamen Arbeit im Camp, scheint es doch ein paar Konflikte zu geben. Uns fällt beispielsweise auf, dass sich kaum Frauen unter den Menschen finden lassen. &#8220;Ich denke, da müsst ihr die Frauen selbst fragen, warum sie so wenig hier sind.&#8221;, sagt A. . &#8220;Vielleicht liegt es daran, dass sie das Gefühl bekommen, weniger wert zu sein und bei der Arbeit im Camp nicht so viel leisten zu können.&#8221;</p>
<div id="attachment_564" style="width: 252px" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/listeinfozelt.jpg"><img class="size-medium wp-image-564" alt="Auf Listen im Infozelt können sich Unterstützende für Hilfsdienste eintragen" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/03/listeinfozelt-300x225.jpg" width="242" height="181" /></a><p class="wp-caption-text">Auf Listen im Infozelt können sich Unterstützende für Hilfsdienste eintragen</p></div>
<p>Regelmäßig würden vorbeikommende PassantInnen die Flüchtlinge beleidigen und Diffamierungen brüllen. Dabei sei es aber laut A. noch nie zu Handgreiflichkeiten gekommen. Bei Demonstrationen der Flüchtlinge sei die Polizei allerdings teilweise sehr hart vorgegangen, wie bei der Besetzung der nigerianischen Botschaft Mitte Oktober. Neben dem individuellen Druck, den die Flüchtlinge empfinden, kämen die kollektiven Einschüchterungsversuche und im Winter natürlich das Wetter.<br />
Die anfängliche Energie im Camp sei mittlerweile verflogen, sagt A. . &#8220;Es herrscht weniger Disiplin und das größte Problem ist das Geld. Anfangs konnten wir den Flüchtlingen noch U-Bahn-Tickets und sogar Krankenhausaufenthalte bezahlen. Das geht jetzt nicht mehr. Aber wir bekommen noch viel Unterstützung und sind über jede Hilfe total dankbar.&#8221;</p>
<p>Wir fragen ihn zum Abschluss, ob er glaubt, dass das Camp Erfolg haben wird und weiterbesteht. Seine knappe Antwort: &#8220;Es kommt ganz auf das Geld an.&#8221; Gerade versucht er über einen Anwalt einen legalen Aufenthaltsstatus zu erreichen und in Deutschland bleiben zu können. Das Camp scheint dabei Unterstützung zu sein.</p>
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		<title>Die alte Frau vor dem Supermarkt</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Mar 2013 15:10:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Dein Alltag]]></category>

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		<description><![CDATA[Eingeschickt von Josephine F. Jeden Morgen bin ich auf dem Weg zur Arbeit an einem Supermarkt vorbeigekommen, vor dem eine alte Frau stand und Zeitungen angeboten hat. Sie hat mich &#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>Eingeschickt von Josephine F.</i><br />
Jeden Morgen bin ich auf dem Weg zur Arbeit an einem Supermarkt vorbeigekommen, vor dem eine alte Frau stand und Zeitungen angeboten hat. Sie hat mich immer angelächelt und mir sehr nett gegrüßt. Irgendwann gehörte es zu meinem Morgen dazu und ich bin extra Umwege gelaufen, auch wenn ich einen Morgen mal woanders hin musste, um ihr einen Guten Morgen zu wünschen. An einem Morgen kam ich an ihrem Platz vorbei, aber sie stand nicht da. Stattdessen hab ich gesehen, wie sie auf einer Liege in einen Krankenwagen geschoben wurde. Ich habe sie leider nie mehr wiedergesehen. Es fehlt mir, sie nicht mehr jeden Morgen begrüßen zu können und ihr Lächeln mit auf den Weg zu bekommen. Aber jedes Mal, wenn ich an der Stelle vorbeilaufe, erinnere ich mich an sie und fühle mich ein bisschen besser.</p>
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		<title>Alltägliches: Die Glasflasche</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Feb 2013 15:59:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[alltagsreporter]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltägliches]]></category>
		<category><![CDATA[Täglich gebraucht]]></category>
		<category><![CDATA[glas wein gegenstand der woche alltag]]></category>

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		<description><![CDATA[Stell dir vor, du bist in einem netten Restaurant. Es ist ein schöner Abend und du möchtest mit deiner Begleitung noch einen Wein trinken. Du bestellst und während du wartest, &#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_278" style="width: 198px" class="wp-caption alignright"><a href="http://photomakers.org/"><img class="size-medium wp-image-278" title="cidre-flaschen-fotos-03" alt="" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter2/wp-content/uploads/2013/02/cidre-flaschen-fotos-03-188x300.jpg" width="188" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">© photomakers.org</p></div>
<p>Stell dir vor, du bist in einem netten Restaurant. Es ist ein schöner Abend und du möchtest mit deiner Begleitung noch einen Wein trinken. Du bestellst und während du wartest, führst du ein angeregtes Gespräch. Plötzlich stürmt die Bedienung, die Hände zu einem Trog geformt, herein, verschütett beim Rennen zu deinem Tisch die Hälfte des Inhaltes und lässt den Rest in dein Glas hinabstürzen. Für deine Begleitung ist leider nichts mehr in der Handschale übrig und die Bedienung rennt wieder in Richtung Küche.</p>
<p>Natürlich würden Menschen Alternativen nutzen, gäbe es keine Glasflaschen mehr. Aber dieses Gedankenbeispiel verdeutlicht, wie sehr wir Flaschen, in unserem Alltag benötigen und sie, zumal wenn aus Glas, auch Bestandteil unserer sinnlichen Momente sind.</p>
<p><span id="more-258"></span><img title="Weiterlesen …" alt="" src="http://www.tim-lueddemann.de/alltagsreporter/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" />Weinkenner*innen ist es sicherlich bewusst &#8211; die Art des Gefäßes spielt eine große Rolle bei der Geschmacksbildung eines Weines. Bis sich die Glasflaschen im 17. Jahrhundert für den Weingenuss durchgesetzt hatten, wurde Wein in Metall- und Keramikkrügen oder aus Tierhäuten hergestellten &#8216;Schläuchen&#8217; serviert. Dabei nahm er oft auf den Geschmack des jeweiligen Behältnisses an. Aus diesem Grund wurde &#8220;der Wein oft mit Harzen versetzt, gezuckert oder verdünnt, sodass erst mit der Erfindung der Glasflasche die Art Wein entstand, die wir heute kennen.&#8221;<a href="#1"><sup>1</sup></a></p>
<p>Am faszinierendsten ist wohl der Herrstellungsprozess von Glasflaschen, denn in der Theorie ist jede Flasche zu hundert Prozent recyclebar. Tatsächlich besteht in der bundesdeutschen Praxis jede im Supermarkt erhältliche Flasche im Schnitt nur zu sechzig Prozent aus bereits verwendeten Glasflaschen. Aber immerhin beteiligen sich laut Bundesverband Glasindustrie 97 Prozent aller bundesdeutschen Haushalte an dem Glasrecycling. Diese bringen jedes Jahr rund 2 Millionen Tonnen Altglas in den Werstoffkreislauf zurück. 2006 wurden somit 83,6 Prozent der in Deutschland verkauften Glasverpackungen wiederverwertet, und jede*r Bundesbürger*in brachte rund 24 Kilogramm Altglas zu den Sammelstellen.<a href="#2"><sup>2</sup></a></p>
<p>Mit der genauen Stoffzusammensetzung von Glas können wohl eher die Fachkundigen unter uns etwas mit anfangen: ca. 70 Anteile Quarzsand (SiO<sub>2</sub>), 13 Anteile Soda (Na<sub>2</sub>CO<sub>3</sub>), 10 Anteile Kalk (CaCO<sub>3</sub>) und geringe Anteile Dolomit, Feldspat und Pottasche.<br />
Zusammen mit Recyclinglas werden diese Stoffe zu dem so genannten Gemenge gemischt und anschließend in verschiedenen Schritten bei Temperaturen von 1.200 °C &#8211; 1.600 °C zusammengeschmolzen.</p>
<div style="width: 241px" class="wp-caption alignright"><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Joska_bodenmais_glasparadies_glasblaeser.jpg"><img class=" " title="Glasmacher beim Glasblasen" alt="" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/59/Joska_bodenmais_glasparadies_glasblaeser.jpg" width="231" height="347" /></a><p class="wp-caption-text">Glasmacher beim Glasblasen</p></div>
<p>Bevor die industrielle Revolution Maschinen hervorbrachte, die die Glasproduktion übernahmen, wurde jede Flasche von den Glasmacher*innen einzeln geblasen. Als Glasbläser*innen werden die Menschen bezeichnet, die einen künstlerischen und keinen alleinigen produktionellen Hintergrund verfolgen. Wenn ihr <a href="http://www.ihk-lehrstellenboerse.de/profession/183/view.html" target="_blank">Glasmacher*in</a> oder <a href="http://www.ihk-lehrstellenboerse.de/profession/177/view.html" target="_blank">Glasbläser*in</a> werden möchtet, meldet euch bei der IHK &#8211; die Ausbildung dauert jeweils drei Jahre. Bei der traditionellen Flaschenherstellung wurde die Glasschmelze mit einem circa 1,5m langem, als Glasmacherpfeife bezeichneten, Stahlrohr aufgenommen und von dem*der Glasmacher*in in die richtige Form durch Blasen und Bewegen der Schmelze gebracht. Heute wird das flüssige Glas grammgenau abgemessen und von einer so genannten IS-Maschine geformt. Einen Eindruck von diesem Prozess könnt ihr in diesem Video bekommen:</p>
<div style="max-width: 360px;">
<p style="border: 2px dashed #000000; padding: 15px; text-align: left;"><iframe src="http://www.youtube.com/embed/QBaWsf82Jdk" height="263" width="325" frameborder="0"></iframe></p>
</div>
<p>Das Mundblasverfahren wird dagegen nur noch bei besonders aufwendigen Glasproduktionen und speziell erforderlichen Handarbeiten eingesetzt. Im Gegensatz zu vielen anderen traditionellen Produktionsarten, ist die Glasmacherei an sich allerdings nicht in ihrer Existenz bedroht. Die Glasherstellung verlangt teilweise großes Geschick und Können und manche Glasprodukte sind für die maschinelle Produktion ungeeignet. Wohl auch deshalb gelang es erst 1903 dem Amerikaner Michael J. Owens das Flaschenblasen überhaupt in die automatische Produktion zu überführen.<br />
Die heutigen Maschinen können Flaschen allerdings hervorragend automatisch produzieren, weshalb auch nur noch die wenigsten Flaschen aus Glas mit dem Mund geblasen werden.<a href="#3"><sup>3</sup></a></p>
<p>Seit einigen Jahren gerät die Glasflasche allerdings unter Druck. Die leichteren und praktischeren PET-Flaschen verdrängen die Mehrwegflasche aus Glas immer mehr vom Markt. Discounter bieten diese zu sehr günstigen Preisen an &#8211; ohne auch nur eine einzige Glasflasche in ihrem Angebot zu haben.<br />
Neben dem Nachteil, dass die Flasche aus Glas schwerer ist und im Gegensatz zu Flaschen aus Kunststoff wesentlich leichter kaputt geht, besitzen Glasflaschen allerdings zwei entscheidende Vorteile: erstens sind sie ökologisch nachhaltiger und zweitens geben sie keine Giftstoffe ab. Flüssigkeiten in Verpackungen aus PET sind immer auch mit Giften versetzt : <a title="Acetaldehyd" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Acetaldehyd">Acetaldehyd</a> (Ethanal), <a title="Dimethyldicarbonat" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dimethyldicarbonat">Dimethyldicarbonat</a> (DMDC) und Östrogen.<a href="#4"><sup>4</sup></a> Glas gibt dagegen keinerlei Stoffe an die Flüssigkeiten ab, noch lässt es Stoffe hindurch. Damit sind Produkte im Glas gesünder und auch länger haltbar.<a href="#5"><sup>5</sup></a></p>
<p>Unbeeinflusst von diesen Fakten, geht der Anteil der Glasflasche immer weiter zurück. Nur mit Ausnahme der Markenwasser. Hier lässt sich eine leichte Steigerung erkennen. Dennoch wird die Glasflasche wohl nicht aussterben. Zum Einen werden bewusste Käufer*innen ihre Entscheidung weiterhin und unter Umständen verstärkt zugunsten der ökologischen und gesunden Verpackungsvariante treffen. Zum Anderen gibt es zwei Segmente, bei dem der Anteil der Glasflaschen traditionell hoch ist und aufgrund des nicht getrübten Geschmackes wohl auch bleiben wird: bei Bier und Wein.<br />
<em><strong></strong></em><br />
[contact-form-7]</p>
<address><em>Quelle Foto 1: © photomakers.org: <a href="http://photomakers.org">kostenlose Bilder</a> und <a href="http://pimpyou.de">Bildbearbeitung</a></em> <em><br />
Quelle Foto 2: © <a href="http://www.joska.com/" target="_blank">Joska Kristall</a> GmbH &amp; Co. KG über <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Joska_bodenmais_glasparadies_glasblaeser.jpg" target="_blank">wikipedia.de </a></em><em><span class="mw-headline" id="1"><br />
1</span> &#8211; http://de.wikipedia.org/wiki/Weinflasche#Geschichte</em> <em> <span class="mw-headline" id="2"><br />
2</span> &#8211; http://www.bvglas.de/umwelt-energie/glasrecycling/</em></address>
<address><em><span class="mw-headline" id="3">3</span> &#8211; </em>http://www.bvglas.de/der-werkstoff/geschichte-entwicklung/</address>
<address><em>4 -</em> http://de.wikipedia.org/wiki/PET-Flasche#Nachteile</address>
<address><em>5</em> &#8211; http://www.glasaktuell.de/glas-nachhaltigkeit/gesundheit-und-genuss/</address>
<p>&nbsp;</p>
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